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Interkulturelles Training: Bitte recht freundlich

Das Niederländische Wort „Bellen“ bedeutet Telefonieren, was bei Sprachschülern regelmäßig für Heiterkeit sorgt. Nicht nur die Vokabel ist anders, auch das Telefonieren selbst, ja die gesamte Kommunikation. „Niederländer telefonieren mehr als Deutsche und versuchen auch, mehr über das Telefon zu regeln“, ist die Erfahrung von John Mazeland, dem Geschäftsführer der Business Alliance Niederlande Deutschland (BAND). Einer der Spezialkurse der BAND widmet sich dem Thema „Verhandeln und Telefonieren zwischen Niederländern und Deutschen“ – ein interkulturelles Training sozusagen.

Eine Erkenntnis daraus ist, dass Niederländer insgesamt viel sprachorientierter als Deutsche sind. Die zweisprachige Dozentin Erika Poettgens erlebt in ihren Niederländisch-Kursen regelmäßig das große Schweigen. „Niederländer in meinem Deutsch-Kurs dagegen machen viel eher den Mund auf, aber erledigen dafür oft ihre Hausaufgaben und Grammatik nicht. Die sagen „Wieso, die verstehen mich doch!“

Wiederholen, Zusammenfassen
Weil Niederländer sich auch oft ohne große Deutschkenntnisse trauen zu sprechen, neigen Deutsche dazu, die Sprachkenntnisse zu überschätzen. Viele Wörter allerdings verstehen Niederländer ganz einfach nicht. Darum empfiehlt Erika Poettgens von der Universität Nimwegen, Gesprächsinhalte immer zusammenzufassen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, auf Englisch umzuschalten. Die Dozentin macht den Teilnehmern Mut, sich durchaus mal selbst auf Niederländisch zu versuchen: „Die Tür ist schon geöffnet wenn ein Ausländer ein paar Worte Niederländisch spricht!“

Verglichen etwa mit Asiaten kommunizieren Deutsche wie Niederländer schnörkellos und direkt. Deutsche allerdings tun dies grundsätzlich, während viele Niederländer immer wieder ins Anekdotische verfallen. Ihr Ziel verlieren sie dabei nicht aus dem Auge. „Niederländer beginnen ihr Gespräch oftmals mit allgemeinem Geplauder und können lange um den heißen Brei herumreden, bis sie zum Kern kommen.“ Deutsche dagegen kommunizieren nach Erika Poettgens Erfahrung eher Andersherum: „Erst wenn die Geschäftlichen Dinge geregelt sind, kommen Deutsche ins Plaudern und sind oft erst ganz zum Schluss bereit, über Persönliches zu reden-wenn überhaupt.“

Zu denken gibt ein Untersuchungsergebnis der Universität Nimwegen. Deutsche Firmenangehörige melden sich oft Grußlos nur mit Firmen- und Nachnamen, so gaben Niederländer aus der Grafikbranche über ihre Anruferfahrungen in Deutschland zu Protokoll. Oft hatten sie den Eindruck, mit ihrem Anruf zu stören. Und: Sie wurden immer wieder weiter verbunden, bis sie ihren Gesprächspartner endlich am Apparat hatten. Besonders negativ fiel den Niederländern auch die ungebetene musikalische Untermalung in deutschen Warteschleifen auf. Ganz anders der Eindruck unter Deutschen aus der Baubranche über ihre Telefon-Erfahrungen mit Niederländern: Fix wurden sie zum richtigen Gesprächspartner durchgestellt. Auch der Gruß beim ersten Abnehmen fehlte nie. Ja, die harten Jungs vom Bau hatten sogar das Gefühl, dem Mitarbeiter in der Telefonzentrale mit ihrem Anruf eine richtige Freude zu machen.

Über die Autoren
Erika Poettgenns ist Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Deutsch/Deutschlandstudien der Radboud Universität Nimwegen.

John Mazeland ist Geschäftsführer der Business Alliance Niederlande Deutschland (BAND) in Nimwegen, die Workshops über Management und Unternehmenskultur in den Niederlanden veranstaltet.

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