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Im Sog der sozialen Medien – Susan bloggt

Soziale Medien. Jeder hat eine Meinung darüber. Man liebt oder hasst sie. Es gibt Vielnutzer und heimliche Beobachter. Kritiker und Leichtsinnige. Ich selbst nutze Facebook, Twitter, Instagram und LinkedIn sehr aktiv. Als waschechte Niederländerin bin ich ein liebender Vielnutzer, achte jedoch auch auf meine Privatsphäre. Neun von zehn Niederländern nutzen soziale Medien aktiv. Aber wie sieht es in Deutschland aus? Sind soziale Medien in Deutschland genauso verbreitet wie in den Niederlanden?

Beginnen wir mit WhatsApp, der meistgenutzten Plattform im Bereich soziale Medien. Denn selbst erbitterte Gegner sozialer Medien finden diese Instant-Messaging-Plattform (Nachrichtensofortversand) doch sehr praktisch. Laut einer Studie von Newcom nutzen 9,8 Millionen Niederländer WhatsApp, 7 Millionen von ihnen täglich. Auf 92 Prozent der niederländischen Smartphones ist WhatsApp installiert, so Telecompaper. In Deutschland gibt es insgesamt 37 Millionen WhatsApp-Nutzer, das entspricht 63 Prozent aller deutschen Internetnutzer. WhatsApp ist in beiden Ländern die meistgenutzte Messenger-App, gefolgt vom Facebook-Messenger.

Weltweit bleibt Facebook – mit insgesamt 1,79 Milliarden aktiven Nutzern im Monat – der allergrößte Akteur auf dem Gebiet der sozialen Medien. WhatsApp nutzen weltweit eine Milliarde Menschen. In den Niederlanden hat Facebook 9,5 Millionen Accounts, nur etwas weniger als WhatsApp. In Deutschland sind es 26 Millionen. Facebook ist für Unternehmen noch immer eine wichtige Plattform, um Kunden anzusprechen. Dennoch spürt Facebook den Druck von Plattformen wie Instagram und Snapchat. Denn Facebook „altert“ mit schnellen Schritten. Welcher Teenager findet es toll, dass Papa oder Mama ihnen bei ihrem Leben in den sozialen Medien über die Schultern schauen? Jugendliche wechseln daher massenweise zu Instagram und Snapchat. Mein Kollege Julian hat schon über das schnelle Wachstum von Instagram berichtet. Laut einer Umfrage unter Jugendlichen in Deutschland nutzen nur noch 32 Prozent der 10- bis 19-Jährigen Facebook. Sie kommunizieren untereinander lieber über Snapchat (35%), Instagram (52%) oder WhatsApp (91%). In den Niederlanden nutzen 78 Prozent der 12- bis 19-Jährigen Instagram und 75 Prozent Snapchat.

In einem anderen Blogbeitrag habe ich bereits über Twitter geschrieben. Die Beliebtheit dieses sozialen Mediums nimmt sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland ab. Innerhalb eines Jahres verlor Twitter in den Niederlanden gut 250.000 mobile Nutzer. Auch hier springen vor allem Jugendliche ab. Insgesamt twittern in den Niederlanden ungefähr 2,6 Millionen Menschen, von denen etwa eine Million täglich aktiv sind. Auch in Deutschland gibt es eine Million aktive Twitterer. Wenn man jedoch bedenkt, dass Deutschland etwa 4,7 Mal so viele Einwohner wie die Niederlande hat, hat Twitter in Deutschland eine deutlich geringere Bedeutung.

Ein anderer interessanter Vergleich ist der zwischen den beruflichen Plattformen LinkedIn und Xing. Xing ist in Deutschland mit 9 Millionen Nutzern beliebter als LinkedIn, während Xing in den Niederlanden kaum bekannt ist. Niederländer entscheiden sich lieber für LinkedIn, die Plattform mit gut 6 Millionen niederländischen Accounts. Aber auch in Deutschland ist LinkedIn im Kommen, hier hat die Plattform inzwischen 6,3 Millionen Mitglieder.

Ein weiterer großer Akteur im Bereich soziale Medien ist natürlich YouTube. Bei Jugendlichen vor allem beliebt wegen bestimmter Vlogger, Video-Anleitungen, Musikclips und der Möglichkeit, Fernsehserien- und filme nachträglich anzuschauen. Leider fehlen hier verlässliche Zahlen. Schätzungen zufolge gibt es in den Niederlanden circa 7,2 Millionen YouTube-Nutzer (von denen 1,3 Millionen täglich aktiv sind). In Deutschland handelt es sich schätzungsweise um circa 6 Millionen aktive YouTube-Nutzer, aktiv bedeutet hier jedoch: Nutzer, die sich nicht nur Filme anschauen, sondern auch selbst hochladen. Diese Zahlen sind für die Niederlande nicht bekannt.

Was können wir nun daraus schließen? Dass es im Wesentlichen nur wenige Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland hinsichtlich der Nutzung sozialer Medien gibt, mit Ausnahme von Twitter und LinkedIn/Xing. Wenn ein deutsches Unternehmen also über soziale Medien die niederländischen Verbraucher ansprechen möchte, sollte es gewiss auch über Twitter nachdenken. Niederländische Unternehmen, die auf den deutschen Markt wollen, dürfen hingegen den Einfluss von Xing nicht unterschätzen. Und wer als niederländischer oder deutscher Unternehmer Jugendliche erreichen möchte, sollte sich auf Instagram oder Snapchat präsentieren. Denn Unternehmer können sich dem Sog der sozialen Medien nicht entziehen, ob sie diese nun befürworten oder nicht.

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